Verfasst von: dreinold | 1. März 2013

Sport und Angst

Hallo zusammen,

 

Hier ein Artikel von Maike Seuren über Angst im Profisport. 

Bin derzeit immer noch verletzt, und werde am Montag wieder operiert – mal schauen wie es weitergeht. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Gruß 

Dominic

 

„Es geht immer irgendwie weiter“

Profialltag – wenn eine Verletzung über Auf- und Abstieg der Karriere entscheidet

Köln. Dominic Reinold wirkt gelassen und zugleich voller Sehnsucht, als er den Fußballplatz betritt. Ungewohnt in Straßenklamotten anstatt in Trikot und voller Montur, steht der 24-Jährige auf dem Rasen. „Einfach einen Ball am Fuß zu haben macht mich glücklich. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie es ohne wäre“, erzählt der gebürtige Wesselinger mit getrübter Stimme. Sein vorerst letztes Spiel bestritt der talentierte Fußballer im April 2012. In einem Meisterschaftsspiel des portugiesischen Zweitligisten Sporting Covilha verletzte sich der Offensivakteur am linken Außenmeniskus. Seither hat er Zwangspause. Niemals hätte er gedacht, dass ihn jener Moment so lange außer Gefecht setzen würde.

Zuvor hatte Reinold sich jedoch den Traum aller jungen Fußballer erfüllt. Durch ein Sportstipendium 2009 in den USA an der Fairleigh Dickinson University, New Jersey, harte Arbeit und seinen unstillbaren Ehrgeiz erhält er im Juli 2011 seinen ersten Profivertrag beim portugiesischen Erstligisten SC Beira Mar. „Es war riesig und einfach ein geiles Gefühl es geschafft zu haben“, erklärt Reinold.

Traumberuf Fußballprofi?

Das Schicksal von Reinold ist dabei kein Einzelfall. Traumberuf Fußballprofi? Auf den ersten Blick ja. Doch gerade im Leistungssport kann die Karriere ebenso schnell vorbei sein, wie sie angefangen hat. Ein unglücklicher Zweikampf, oder eine falsche Bewegung – und alles aus. Dies weiß auch Martin Heck, Nachwuchstrainer der U-15 Junioren des 1. FC Köln: „Wir bereiten unsere Spieler bereits frühzeitig auf die Möglichkeit von Verletzungen vor. Auch solche, die einen längeren Ausfall, im schlimmsten Fall sogar das Karriereende bedeuten. Daher sieht unserer Förderung eine abgeschlossene schulische Ausbildung als unabdingbar.“ Die Verletzungshäufigkeit und die Gefahr eines vorzeitigen Karriereendes ist besonders im Fußball auffällig. Dies verdeutlichen die Zahlen, die auf dem Fußball Symposium von Sportmedizin Ostalb 2007 bekannt gegeben wurden. Mit 200000 Profis und 240 Millionen Amateurspielern ist Fußball die weltweit populärste Sportart. Laut Dr. med. Wacker ist der Fußball in Deutschland beinahe für die Hälfte der über 1,26 Millionen Sportunfälle pro Jahr verantwortlich.

„Man denkt nicht, was wäre wenn…“

„Solange man gesund ist, denkt man nicht, was wäre wenn“, bestätigt Reinold. „Man hat das nächste Training oder das nächste Spiel im Fokus, aber keine Verletzung.“
„Dies ist auch gut so“, meint Professor Jens Kleinert, Leiter der Abteilung Gesundheit und Sportpsychologie an der Deutschen Sporthochschule Köln. Besonders in der Verletzungsprävention gilt: „Der Gedanke an und die Angst vor Verletzungen führen zu Fehlern im Verhalten, die letztlich eine Verletzung mit verursachen können“, so Kleinert. Ein mögliches Karriereaus darf dennoch nicht die Gedanken des Athleten bestimmen.

Die Angst vor Verletzungen, beziehungsweise Wiederverletzungen, sind ein leidiges Thema im Verlauf einer Fußballerkarriere. Nach Kleinert besteht die Möglichkeit die Angst aus dem Bewusstsein auszublenden und zu lernen sich auf die richtigen und wichtigen Situationen zu konzentrieren. Trotzdem bleibt „diese Angst“ im Unterbewusstsein bestehen. Besonders bei länger andauernden Verletzungen rückt neben dem Faktor Angst auch die Unsicherheit immer stärker in den Vordergrund. „Unsicherheit ist eine der wichtigsten Komponenten von Angst überhaupt“, so Kleinert. Doch was kann man tun, um diese Unsicherheit zu bekämpfen, den Gedanken vor einem möglichen Karriereaus vorzubeugen und dem Athleten wieder mehr Sicherheit zu geben? Der

Sportpsychologe sieht drei wesentliche Komponenten, die dem Sportler während der Überbrückungszeit von Verletzung bis hin zum Comeback helfen können. Gemäß Kleinert ist zum einem die Komponente „Zielsetzung“ von großer Bedeutung. Über das Erreichen von kleinen Zielen bzw. Teilzielen holt sich der Athlet die Sicherheit in Bezug auf seinen eigenen Körper zurück. Zweitens gilt ein „positiver emotionaler Ausgleich“ als unerlässlich. Das Erledigen von privaten Dingen, Freizeitangelegenheiten oder Unternehmungen, zu denen man sonst keine Zeit hat, sorgen für positive Gefühle, Freude und Entspannung, die gerade in einem tristen Reha-Alltag für Ablenkung gegenüber Frust sorgen können. Als dritte Komponente müssen genügend „Erholungsphasen, Regeneration und Schlaf“ eingeplant werden, um dem Körper Ruhe und Verarbeitungszeit zu gönnen.

„Während dieser Zeit gab es natürlich viele negative Gedanken“

Reinolds Verletzung besteht nunmehr seit zehn Monaten, fünf davon ist er bereits ohne Verein und Vertrag. „Während dieser Zeit gab es natürlich viele negative Gedanken, weil der Club mich nicht mehr haben wollte und ich das auch zu spüren bekam“, berichtet Reinold. Eine schwierige Phase für den ambitionierten 1,91 Meter großen Stürmer, auch hinsichtlich seiner Motivation. Wie soll es weitergehen? Findet man zur alten Leistungsstärke zurück? Ständige Fragen, die einem verletzten Sportler beschäftigen können. „Vor meiner jetzigen Situation habe ich mir nie Gedanken über ein mögliches Karriereaus gemacht. Aber derzeit beschäftigt es mich sehr, gerade weil man mit 24 Jahren nicht mehr der Jüngste in diesem Geschäft ist.“

Die Zukunft des eifrigen Linksfuß bleibt vorerst offen, der Genuss seinem Lieblingshobby und zugleich Beruf wieder auszuüben vorerst verwehrt. Doch Reinold ist optimistisch. Er will zum Sommer hin wieder fit sein, um noch einmal voll anzugreifen und seinen Traum vom Profifußball weiter zu leben. „Man muss sich selber einfach aufraffen, weil es geht immer irgendwie weiter“, schildert Reinold.

Im Falle eines Karriereendes will er sein Studium zu Ende führen, am liebsten sogar wieder in den Staaten. Ebenfalls berät er derzeit selbst schon Fußballer, die gerade vor ihrem Abitur stehen und die Möglichkeit eines Sportstipendiums in den USA in Betracht ziehen.
Doch im Trikot wieder auf dem Platz zu stehen, egal ob vor 30.000 oder 50 Zuschauern und das Gefühl zu spüren endlich wieder kicken zu können, und zu wissen, dass sich all das harte Training und die Arbeit gelohnt haben, lässt ihn hoffen. „Für mich ist es einfach das schönste Gefühl zu zeigen, was ich drauf habe!“ 

Von Maike Seuren.

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